Kommentar: Steinheide ade, Kerpener Kulturgut so gut wie Verkauft

Kommentar: Steinheide ade, Kerpener Kulturgut so gut wie Verkauft

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Kerpen. Vor wenigen Monaten noch schrieb ich in einem Plädoyer, wie sehr wir den Erftlandring als Kulturgut in unserer Stadt halten müssen und wie sehr sich Verwaltung und RWE bewusst sein sollten, was ein Abriss der traditionsreichen Kart-Strecke für die Stadt Kerpen und vor allem für den Motorsport bedeutet.

Die Historie ist bekannt: Graf Berghe von Trips, als Pate und Urvater des Kartsports in Deutschland, gefolgt von vielen kleinen und großen Rennfahrern bis über Michael Schumacher, als den erfolgreichsten und bekanntesten Formel 1 Pilot weit über die Kerpener Stadtgrenzen hinaus, prägten und prägen die alte Kartbahn in der Steinheide bis heute.

Als Kaderschmiede des Rennsportnachwuchs hat sich dieser Race-Track bis weit über die Grenzen Europas einen einzigartigen Ruf erarbeitet, dem bis heute nicht nur die ambitionierten Nachwuchsfahrer der Anrainerländer zur Ausbildung folgen.  Geprägt vom einzigartigen Flair großer Rennsportgeschichte und großen Rennfahrern umgibt ihn ein Zauber wie er heute nur aufkommt, wenn man die alte Nordschleife des Nürburgrings im Morgennebel der Eifel besucht.

Doch nun scheint es amtlich: Der Erftlandring soll in den Schatten der Vergangenheit gestoßen werden. Ein Fleck in einer rekultivierten Landschaft, vielleicht noch ein Gedenkstein, wie sie zu vielen im Marienfeld zu finden sind, soll übrigbleiben. Man mag es nicht glauben wollen und man mag noch Hoffnung tragen, dass sich alles zum Guten wendet, so sehr auch die Realität die Zuversicht verdrängt. Folgt man den Artikeln die derzeit in den Printmedien zu lesen sind, war es der Club selbst der vielleicht in einer leichten Überschätzung der Dinge zum Untergang seiner selbst beigetragen hat. Ein alternativer Standort wurde nicht gefunden und auch der Verbleib am Abbaurand des Tagebaues Hambach war nicht mehr verhandelbar.

Aber es gab Alternativen den Kartsport in Kerpen zu halten und der Geschichte den Rahmen und Raum zu bieten der ihr gebührt. Die Stadt lehnte jeden Alternativstandort ab. Ideen, den Erftlandring zu erhalten, fern von Wohnraum in einer Kiesgrube, wurden schon im Keim erstickt. Rigoros und ohne öffentlich bekannt gemachte Gutachten oder Handlungsanweisungen bezüglich notwendiger Lärmschutzmaßnahmen, wurden die Vorschläge der Bezirksregierung zurückgewiesen und entsprechend im Rat durchbeschlossen.

Erstaunlicherweise waren es dann andere Städte, die bereit waren über eine Neuansiedlung der Kartbahn nachzudenken und die nun vielleicht bald schon den Namen des Ehrenbürgers der Kolpingstadt in ihrem Marketing-Flyer ganz oben schreiben. Ohne Melancholie und ohne den Morgennebel der Steinheide –  Was für ein Armutszeugnis sich hier die Stadt Kerpen hier doch selbst bescheinigt.

Ohne auch nur eine Partei zu nennen und ohne die politischen Gremien zu offenbaren die erfolgreich versuchten mit Argumenten der eigenen Wählerschaft genüge zu tragen, ist festzuhalten, dass die, die einst den festen Willen hatten Kerpen nach vorne zu tragen, sich gegen den Erftlandring und für einen Rückbau oder allenfalls für Bestandserhalt entschieden.  Nicht immer richtet eine Koalition alles zum Guten, auch wenn man meinen würde die Mehrzahl der Wähler würde bedient. Was ist geblieben?

Resignation wäre nur die schönste Umschreibung für die Tatenlosigkeit der einstigen Befürworter, die Lobreden schwingend sich gerne mit den Namen Schumacher schmückten. Die Stadt selbst scheint definitiv wenig Interesse gehabt zu haben für den Verbleib oder die Neuansiedlung im Stadtgebiet zu kämpfen. Man kann sich der Vermutung kaum entziehen das alle Beteiligten in den Entscheidungsgremien innerhalb der Verwaltung und des Rates der Rennsportstadt Kerpen eher abwartend und heute dankbar dem derzeitigen Endpunkt der Entwicklung lauschten und sich lieber wichtigeren Themen wie dem Karneval, Fahrradstraßen, oder auch nur der Organisation zum nächsten Schützenbesuch widmeten.

2020 ist Schluss mit dem Rennsport in Kerpen. Traurig aber wahr. Wenn Fußball- und Schützenvereine Subventionen erhalten sollen mag das gut und wichtig sein. Gerne zeigt man sich dann händeschüttelnd und lächelnd den Kameras der Medien Vertreter. Wenn aber etwas Einzigartiges in Deutschland, in der Kolpingstadt Kerpen die eher und in jeder Stadt Europas nur als „Schumistadt Kerpen“ bekannt ist, seine Existenz verliert und ersatzlos abgerissen wird, weckt das nicht einmal jetzt, wohlwissend das niemals auch nur ein Kilogramm Kohle unter der Bahn geschürft wird, die schlafenden Mäuse im Stadtrat aus dem Winterschlaf.

Die Stadt Kerpen ist seit Jahren des deutschen Michels bester Freund. Es wäre schön gewesen, wenn im Rat der Stadt Kerpen auch nur ein Ratsherr aufgewacht wäre. Wo haben unsere gewählten Vertreter nur ihre Ohren, und scheint es wirklich oberste Priorität zu sein sich über mehr Hundekotbeutelspender zu streiten, als wirkliche Themen und Projekte anzupacken?

Wo andere sich seit Jahren durch Demonstrationen und gerichtliche Verfahren erwehren, dass Baumbestände, die in Jahrhunderten gewachsen sind, dem Erdboden unwiederbringlich entrissen werden, wünscht man sich auch für den Erftlandring den Widerstand und die Durchsetzungskraft die seiner Kulturgeschichte gebührt. Als erstes wäre die Stadt gefordert hier Zeichen zu setzen. Der Kartclub muss folgen und mit ihm alle die, die nicht zulassen wollen das einer sterbenden Energieform Geschichte und Zukunft zum Opfer fallen.

Es ist wirklich Zeit endlich neu zu denken.

Mit freundlichen Grüßen

Rüdiger Schmidt      Patrick Baumfalk     Wolfgang Pfeil

2 Antworten

  1. Klassikracer 79
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    Endlich mal ein Bericht der den Wert für uns Kartfahrer dieser Bahn wiederspiegelt mit den Worten einzigartikkeit Kultur Geschichte und Tradition.
    Die Kartbahn ist im laufe der Zeit zu dem geworden was sie heute ist, eine der schönsten wenn nicht sogar die schönste Kartbahn die ich kenne, mit einer einzigartigen Atmosphäre.
    Und die Verantwortlichen wollen hier wirklich vielen tausenden Sportlern Kindern Jugendlichen und Erwachsenen ihren Lebensraum ersatzlos weck nehmen.
    Liebe Leute das kann doch wohl nicht wahr sein. Ist das der Dank dafür das die Stadt Kerpen sich mit dem Nammen Schumacher Vettel und co. Jahrzehnte schmücken durfte? Fast euch mal an den Kopf und kommt zur vernuft ganz abgesehen mal davon das die Braunkohle keine Zukunft hat will man dieses Kulturgut zerstören,tut mir leid aber ihr habt nicht mehr alle Kugeln am Weihnachtsbaum.
    Denkt ihr auch an die Jugend die hier ihr Hobby ausübt es wäre eine frechheit wenn die Bahn verschwindet.
    Achja man denke auch daran das die Stadt Kerpen bzw der liebe Bürgermeister scharf drauf ist die 2 Millionen€ mehrwert des Gelädes einzustreichen Sprich die 50% des mehr Werts damit Geld in die Kasse kommt. Das ist doch der Hauptgrund nur es gibt keiner zu. Und das auf Kosten der Jugendlichen Kindern und Sportlern ja da fällt mir ja garnix mehr zu ein. Und wenn Fußballvereinen und sonstigen Vereinen Fördergelder zugestanden werden dann muss für den Kartsport auch was passieren wie kann man die einen unterstützen und den anderen ihren Lebensraum nehmen, bzw die Klippen runter stoßen das sollten wir uns nicht gefallen lassen.

    Darum rufe ich dazu auf das alle Sympathisanten Fahrer Eltern Jugendliche und sonstige Leute dennen was dran liegt dafür zu Kämpfen das die Kartbahn Kerpen erhalten bleibt. Kämpft für Michael da er es leider nicht kann, für die Kultur, für die Motorsportgeschichte, und vor allem für die vielen tausenden Jugendlichen Sportler und letztendlich für den erhalt dieses fleckchen Erde und Kartbahn damit alles bleibt wie es ist.

  2. Patrick Labusch
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    Es ist echt traurig. So viele Jahre Fahre ich dort schon und mit mir Personen wie Vettel, Magaritis, Kubica und vielen anderen. Wir wollen einfach nur unser Hobby weiterführen. Die nächste Bahn in meiner nähe, darf auch nur 3 Std. am Wochenende betrieben werden, zumindest für Rennkarts. Um zukünftig trainieren zu können müsste ich nach Hagen oder in den Westerwald was für mich Fahrten von mehr als 2 Std. sind nur um zu trainieren.
    Zudem sind die Veranstaltungen in Kerpen, seit ich sie von 1996 an mitgemacht habe, immer tadellos gewesen. Ich würde mir wünschen das die Bahn bestehen bleibt.