HomeOffice & Telearbeit – Familienfreundliches Arbeiten und Klimaschutz in Kerpen

HomeOffice & Telearbeit – Familienfreundliches Arbeiten und Klimaschutz in Kerpen

Die Verwaltung der Stadt Kerpen muss sich modernisieren und das Projekt “Telearbeit & HomeOffice” flächendeckend für die eigenen Verwaltungsmitarbeiter anbieten. Im Rahmen der Klimaschutzziele können so Tonnen von CO2 eingespart werden. Das spart Geld, Zeit und Ressourcen. Außerdem kann die Kolpingstadt so zu einem Vorreiter für familienfreundliches Arbeiten werden. Nutzen wir die Möglichkeiten, die der Bundesgesetzgeber uns schon heute eingeräumt hat und machen die Schumistadt zu der Vorzeigekommune in dieser Republik. Gleichzeitig kann die Kommune hierbei auch als gutes Vorbild vieler Unternehmen dienen und schützt durch Nachhaltigkeit die Ressourcen aller Bürgerinnen und Bürger der Kolpingstadt. Zur Vorbereitung eines Antrags zum Ausbau der Heimarbeit haben die JuLis Kerpen eine Anfrage an den Bürgermeister geschickt.

Klimaschutzziele – 80 bis 95% müssen eingespart werden

Die Bundesrepublik Deutschland setzt sich, nach der kürzlichen Einigung der Bundesregierung, ein ambitioniertes Ziel: Der Klimaschutzplan 2050 verlangt, dass bis zum Jahr 2050 der Ausstoß von Treibhausgasen in Deutschland um 80 bis 95% im Vergleich zum Jahr 1990 sinken muss. Nicht nur im Rahmen der Industrie, sondern auch bei Energie und Verkehr. Jeder muss sparen, damit die Klimaziele erreicht werden – auch und gerade die Kommunen. Hier sind hohe Einsparpotentiale möglich und nötig. Die Stadt Kerpen hat hier die Möglichkeit als großer Arbeitgeber und Dienstherr dieses hoch gesteckte Ziel zu erreichen.

Die Ausgangslage – Pendlerverkehr und CO2-Ausstoß in der Statistik

In Kerpen gibt es nach aktuellsten Zahlen insgesamt 15019 Einpendler pro Tag. 15000 reisen also täglich, damit sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen können. Geht man davon aus, dass jeder Pendler in Deutschland im Schnitt 44 km pendelt um seiner Erwerbstätigkeit nachzugehen, ergibt sich daraus nach einfacher Rechnung, dass pro Tag durch die Pendler ca. 660.000 km verfahren werden, damit alle Kerpener Pendler in der Kolpingstadt ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen können (im Vergleich: Die Strecke von der Erde bis zum Mond beträgt ca. 384.000 km). In der Realität benötigt ein Pendler durchschnittlich 1,5 Stunden um 44 km zurückzulegen. Für 49% der Berufspendler liegt die Arbeitsstätte nur ca. 10km entfernt. Insgesamt werden für die Pendelei also pro Tag 22.500 Stunden durch alle Pendler zusammen aufgewendet. Alle Kerpener Pendler sind also pro Tag insgesamt 2,5 Jahre unterwegs, um in Kerpen zur Arbeit zu kommen.

66% der Erwerbstätigen nutzen das Auto und 13% nutzen den ÖPNV. Der Rest teilt sich in Fahrradfahrer und Fußgänger auf. Bedeutet also, dass von 15.000 Kerpener Einpendlern ca. 10.000 das eigene Auto und nur 1.950 Personen den ÖPNV nutzen. Geht man davon aus, dass der deutsche Durchschnittswagen ca. 5,6 l Benzin verbraucht, dann werden pro Tag ca. 26.000 Liter Benzin verbrannt. Täglich werden also durch alle Pendler 185 Badewannen Kraftstoff verfahren. Bei einem durchschnittlichen Benzinpreis von 128,2 Cent im Jahr 2016 werden damit ca. 33.300 EUR pro Tag verfahren. Das sind pro Arbeitswoche 166.500 EUR und pro Jahr (252 Arbeitstage in NRW) 8.400.000 EUR. Alle 10.000 Kerpener PKW-Pendler verfahren also pro Jahr den Wert des bekannten FC-Fußballers Hector. Bei dieser Fahrerei werden pro Tag ca. 61 Tonnen CO2 ausgestoßen. Pro Jahr macht das schon 15.400 Tonnen CO2. Eine durchschnittliche Buche bindet pro Jahr 12,5 kg CO2. Folglich muss man pro Jahr nur in Kerpen 1,2 Mio Buchen pflanzen, damit dieses CO2 gebunden wird. Mit dieser Anzahl an Bäumen kann man nicht nur den Hambacher Forst komplett neu bewalden, sondern auch fast alle Felder in und um Kerpen.

Hierbei handelt es sich natürlich nur um Statistik aber nur kurz für den Einzelnen runtergebrochen:
Der Kerpener PKW-Pendler verfährt pro Jahr 11.088 km mit seinem Auto und verbraucht dabei 654 Liter Benzin für die Arbeit. Insgesamt kosten jeden einzelnen Pendler diese Fahrten 16 Tage seiner Zeit und 840 EUR aus seiner Geldbörse. Um seinen CO2-Ausstoß zu reduzieren müsste der einzelne Pendler außerdem 121 Buchen pro Jahr pflanzen.

Wenn man jetzt also davon ausgeht das ein Verwaltungsmitarbeiter (Beamter oder Angesteller im öffentlichen Dienst) 252 Tage im Jahr arbeitet und ausschließlich Berichte und Schreibarbeiten in der Akte erledigt, werden nur durch das Pendeln vom Heimatort zum Rathaus also insgesamt ca. 1.500 kg CO2 ausgestoßen. Ohne Papier, Druckerarbeit und den Strom, den der Computer im Rathaus verbraucht.

Der Lösungsansatz – HomeOffice & Telearbeit auch in der Verwaltung

Dabei gibt es den Lösungsansatz für das CO2-Problem bereits: Durch HomeOffice und Telearbeit kann alleine dieser CO2-Ausstoß fast beinahe auf Null gesenkt werden. Wenn Verwaltungsmitarbeiter auch nur einen Tag von Zuhause aus Schreib- und Verwaltungsarbeiten erledigen würden (durch die E-Akte ist dies auch möglich), könnte man bereits pro Mitarbeiter bei oben genanntem Beispiel 295,68 kg CO2 pro Jahr einsparen. Das entspricht 23 Buchen, die gepflanzt werden müssten. Dieses einfache Rechenbeispiel gilt natürlich nur, wenn der Mitarbeiter vier Tage zur Arbeit fährt und einen Tag von Zuhause aus arbeitet. Wenn der Verwaltungsmitarbeiter natürlich mehr als einen Tag von Zuhause aus arbeiten kann, explodiert dieser Effekt natürlich. Bedeutet also, dass Telearbeit und HomeOffice dem Klimaschutz dienen.

Gleichzeitig hat die Telearbeit für jeden einzelnen Mitarbeiter noch ganz besondere Vorteile: So ist diese Form der Arbeit besonders familienfreundlich und fördert die Freiheit und Individualität des Einzelnen. Denn der Mitarbeiter kann selbst entscheiden, wann er die Schriftsätze und Briefe sowie Bescheide schreibt und kann ohne Probleme seine Kinder zum nahen Kindergarten bringen. Man kann sich die Zeit frei einteilen und nach eigener Auffassung seine Arbeit gestalten. Und natürlich entbindet das HomeOffice nicht grundsätzlich von der Präsenzpflicht bei wichtigen Terminen oder bei Sprechstunden in der Behörde.

Die Kommune könnte hierbei eine besondere Vorreiterrolle zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf einnehmen. Die Work-Life-Balance wäre gesichert und das Klimaproblem zumindest zu einem kleinen Teil gelöst.