Digitalisierung und digitales Denken – Ein Statement

Digitalisierung und digitales Denken – Ein Statement

Digitalisiertes Deutschland?

Die Digitalisierung ist irgendwie da. Irgendwie. Das zumindest vermittelt der Eindruck, wenn man sich die Digitallandschaft in Deutschland anguckt. Der Netzausbau ruckelt sich irgendwie voran, zur Info wir sind in der Welt grade mal auf Platz 24 was die Internetgeschwindigkeit angeht. Aber auch die Entwicklung von Digitalunternehmen ist irgendwie nicht Weltklasse. Wieder dieses “Irgendwie”. Irgendwie komisch. Klar die meisten Geschäfte haben Online-Shops, außerdem gibt es Amazon, Netflix und Co, aber sonst regt sich nicht allzu viel. Die Einigung von YouTube und GEMA scheint da schon revolutionär.

Woran liegt das nun? Wie können wir in der Welt so gut performen, halbwegs unbeschadet aus Krisen rausgehen und doch bei diesem wichtigen Thema der Zukunft nur so mittelmäßig sein? Hier sollten wir Vorreiter sein, es nicht dem Silicon Valley überlassen was passiert, selber mit gestalten und damit Einfluss ausüben und uns einbringen. Weil wir es können.

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Die Denkweise

Die Antwort die wir für uns gefunden haben ist: Es ist die Denkweise. Sucht man den einen roten Faden, der sich durch alle Bereiche, sei es Unternehmen, Gesetze, Politik und Alltag zieht stellt man fest, dass viele Menschen nicht “digitalisiert” denken. Damit ist bei weitem nicht gemeint 24/7 am Smartphone zu hängen und immer die neuesten Snapchat und Instagram-Trends zu kennen. Viel mehr geht es um den kompetenten Umgang mit digitalen Inhalten, Chancen und Risiken. Es fehlt in diesem Sinne die Digitalkompetenz.

Unternehmen

Im Punkto Unternehmen: Warum muss Tesla ein US Unternehmen sein? Warum hängt die Automobilnation Deutschland hier so hinterher? Unsere Kultur ist hier geprägt, wie wenige andere. Die bekanntesten Premiumhersteller der Welt kommen aus Deutschland und es gibt so viel KnowHow im Automobilsektor, wie nur an wenigen anderen Orten der Welt. Trotzdem wurde ein Großteil dieses neuen Trends verschlafen. Die Ursache liegt, wie vorher bereits genannt in der Denkweise. Manager und Unternehmensführer haben gedacht, dass es sie nicht beträfe. Chancen und Risiken wurden völlig falsch eingeschätzt, bis ein neugegründetes Unternehmen aus den USA auf einmal den Markt aufmischt und 2016 sogar erstmalig Gewinn erzielt. Das muss nicht sein.

Gesetze

Betrachten wir nun die Gesetzeslage in Deutschland sieht es nicht viel besser aus. Besonders im Onlinekauf-, Datenschutz- und Urheberrecht gibt es teilweise große Lücken. Klar, Gesetze können in der Regel nicht mal eben auf jeden Trend angepasst werden und das ist auch gut so, aber viele der existierenden Gesetze wirken in Teilen nicht aktuell und angemessen. Exemplarisch soll hier das Urheberrecht herhalten: Ein sich momentan herauskristallisierender Trend ist der 3D-Druck. Mittels eines Datensatzes kann ein 3D-Drucker ein 3 dimensionales Objekt erstellen. Solche Datensätze können heute schon im Internet erworben werden. Eine Frage die sich hier nun ergibt ist, was darf ich mit einem dieser “Druckpläne” alles machen? Dürfen sie angepasst oder modifiziert werden? Darf man sie verändern und dann weiter verkaufen? Wem gehört das gedruckte Objekt, dem dem der Drucker gehört, dem Bauplanersteller oder beiden? Wer darf es später abbilden oder ausstellen? Das sind alles juristische Fragen die sich hier aus dem Urheberrecht ergeben können, wenn ein solcher Plan nach §2 Abs.1 (7) UrhG geschützt wäre.

Neuland? Nein.

“Das Internet ist für uns alle Neuland.” Bundeskanzlerin Merkel am 19.06.2013. Nein. Ganz simple Antwort. Ist es nicht. Kurze Geschichte zum Internet: Das Internet wurde am 06.08.1991 als Hypertext-Dienst der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Nutzerzahlen stiegen danach stetig an. Seit 2003 etwa spricht man vom Web 2.0. Die Besonderheit ist, dass User nun anstatt als reine Konsumenten zu Prosumenten wurden. Das heißt, sie ihre eigenen Inhalte mit einbringen konnten, durch Feedback und Kommentare zum Beispiel. Das Internet wie die meisten von uns es also kennen und täglich nutzen, ist also zu dem Zeitpunkt der Äußerung von Frau Merkel schon mindestens zehn Jahre alt gewesen. Das ist bei allem Wohlwollen einfach kein Neuland mehr. Es zeigt aber ganz prägnant das Problem der, ja es ist wieder die Denkweise. Das darf nicht sein, von Führungspersönlichkeiten ist ein aufgeklärter Umgang mit solchen Themen zu erwarten. Dieser ist bei vielen Politikern aber nicht vorhanden.

Alltag und Strukturwandel

Zu guter letzt der Alltag. Hier geht es ganz allgemein um den Umgang mit der digitalen Welt. Die Digitalisierung bietet unglaublich viele Chancen, wie jede Veränderung geht diese auch mit Risiken einher, das ist aber immer so wenn sich etwas wandelt. Wichtig ist der Umgang mit diesem Wandel, Fakt ist aber, dass der Strukturwandel, und das ist die Digitalisierung, nicht schlecht ist. Es wird häufig vom Verlust von Arbeitsplätzen durch die Digitalisierung gesprochen. Viel zutreffender ist jedoch die Verlagerung von Arbeitsplätzen. Es werden Arbeitsplätze wegfallen, das ist bei jedem größeren Wandel so gewesen, Beispielhaft der Wechsel von Handarbeit zu Dampfmaschinen. Was aber gerne vergessen wird ist, dass durch diese Veränderungen der Bedarf nach neuen Arbeitsplätzen entsteht und dieser war in der Vergangenheit immer größer, als der Verlust. Entscheidend ist der Umgang des einzelnen mit neuen Chancen. Und Achtung, der Umgang hängt stark mit der eigenen Denkweise zusammen, wer hätte es gedacht.

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Was uns erwarten wird

Die Themen, die uns in naher Zukunft betreffen, tragen Namen wie Augmented oder Virtual Reality, autonomes Fahren, SmartHome oder Schwarmintelligenz. Wer hier denkt, es beträfe Ihn oder Sie nicht, denkt falsch. Augmented Reality finden wir in Head Up Displays – HUDs – diese werden in immer mehr Autos verbaut und das seit Jahren. Sprach da jemand von Zukunft? Virtual Reality findet heute in Achterbahnen Verwendung. Unternehmen wie Oculus oder Samsung bringen die Technik in die Wohnzimmer, heute. Autonomes Fahren, Tesla machts vor, aber auch zahlreiche andere Unternehmen forschen seit Jahren daran. Auch wieder nichts das plötzlich da war. Wer hier über die Unsicherheit dieser Technik schimpfen will, dem möchten wir zwei Dinge aufzeigen: 1. In den USA passiert auf alle gefahrenen Meilen umgerechten alle 94 Millionen Meilen ein tödlicher Unfall, weltweit etwa alle 60 Millionen Meilen. Teslas mit Autopilot hatten im Gegensatz dazu “erst” nach über 130 Millionen Meilen einen tödlichen Unfall. 2. Von jedem Unfall werden Daten gesammelt, die dem Kollektiv zugute kommen. Mit jedem Unfall lernen die Autos dazu und die statistische Wahrscheinlichkeit für einen ähnlichen Unfall verringert sich. – Kurze Anmerkung, Googles Testfahrzeug hatte bei über 2 Millionen Kilometern 12 Unfälle. Einen selbst verschuldeten und elf verursacht durch andere Fahrer, meist Auffahrunfälle von hinten. Schwarmintelligenz spielt hier eine große Rolle, die Kommunikation einzelner Fahrzeuge untereinander; wer macht was grade und warum? Dieselbe Technik funktioniert aber auch mit Smartphones oder Computern. Alles heute schon da, teils noch nicht in Serienreife aber das in absehbarer Zeit. Zuletzt noch das SmartHome, alles ist in den letzten Jahren intelligenter geworden, nur unser Zuhause nicht. Dabei haben SmartTV, Smartphone, Tablet und Co schon längst Einzug in die meisten Wohnzimmer gehalten. Es fehlt nur noch die Verknüpfung von alle dem. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand, die Heizung läuft nur wenn man da ist und schaltet sich kurz bevor man zuhause ankommt ein. Damit lässt sich Geld sparen. Ist man im Urlaub kann man via Smartphone checken ob Zuhause alles in Ordnung ist. Die Sicherheit steigt. Auch an diesen Dingen wird schon gearbeitet und sie werden eher schneller kommen als nicht.

Ich möchte Euch daher ermutigen: Nutzt diese Chancen! Bringt Euch ein, lasst die Wirtschaft und die Politik nicht in der Hand derer für die etwas etabliertes Neuland ist oder bei denen lieber an der Software rumgespielt wird, damit Abgaswerte erreicht werden, anstatt auf neue Konzepte zusetzen.