Veranstaltungsbericht: Das JuLis-Live in Blankenheim – Afrika? Ein abgehängter Kontinent.

Veranstaltungsbericht: Das JuLis-Live in Blankenheim – Afrika? Ein abgehängter Kontinent.

Was machen junge Liberale eigentlich am Wochenende? Sitzen die JuLis Kerpen eigentlich nur in Kerpen und kümmern sich um kommunale Themen?

Natürlich nicht. So besuchen wir zahlreiche Veranstaltungen, die von unseren befreundeten Verbänden und Organisationen im Kreis, Land und Bund organisiert werden. Eine dieser Veranstaltungen war das JuLis Live in der Burg Blankenheim vom 14. bis 16. Oktober 2016. Das JuLis Live wird von den JuLis im Bezirksverband Düsseldorf organisiert. Grundsätzlich handelt es sich bei dieser Veranstaltung um eine Bildungsveranstaltung von jungen Menschen für aktive Politikinteressierte.

Die Themenschwerpunkte des diesjährigen JuLis Live waren die Entwicklungshilfe in Afrika und eine Workshopreihe zur erfolgreichen politischen Debatte.

Im Rahmen der Afrika-Vorträge wurde zunächst über die Entwicklungsziele der UNO gesprochen, welche die Milleniumsziele ablösten. Fragliche Problematiken im Bereich der bedingungslosen Entwicklungshilfe der Industriestaaten wurden ausführlich erläutert und anschließend in großer Runde diskutiert. Kontrovers diskutiert wurden insbesondere die wirtschaftliche Abhängigkeit der Entwicklungsländer in Afrika von der europäischen Union und die Ausbeutungspolitik der Industriestaaten im Freihandel mit den Entwicklungsländern. Eine hitzige Debatte mit Pro- und Contra-Argumenten entwickelte sich während des Vortrags relativ zügig. Im Ergebnis wurde allerdings einvernehmlich beschlossen, dass die Entwicklungshilfe der Industriestaaten als Subventionen die heimischen Märkte der afrikanischen Nationen verzerrt und es daher nie zu einer nachhaltigen Entwicklung der Märkte und der Schaffung von Wohlstand in diesen Nationen kommen kann. »Es handelt sich hier wohl um eine neue Form des Kolonialismus, der nicht die Schaffung von Wohlstand, sondern vorwiegend die Beruhigung des europäischen Gewissens zum Ziel hat« , sagte Patrick Baumfalk im Rahmen der Diskussion.

Die Gastreferentin, Alice Schmidt, Promovendin im Bereich der Entwicklungshilfe in Kiel und Leiterin der Afrika-Gruppe der Jungen Liberalen im Bund, stellte zwei interessante Fallbeispiele vor und erläuterte die Problematiken, die sich im Bereich der durch die EU, als Handelspartner Afrikas, erzwungenen Handelsverträgen und den Subventionen des heimischen Agrarsektors, ergeben. Insbesondere die starken Industrienationen drücken den wirtschaftlich schwachen Staaten in Afrika ungleiche Handelsverträge auf und versorgen die einheimische Bevölkerung mit außerordentlich billigen Lebensmitteln. In Folge dieser Preisreduzierung können die einheimischen Vieh- und Landwirte ihre eigenen Produkte nicht mehr im eigenen Binnenmarkt anbieten – bittere Armut der hauptsächlich von der Landwirtschaft abhängigen Bevölkerung ist damit vorprogrammiert. Damit zeigte sich anhand der Fallbeispiele, dass Subventionen und Hilfslieferung ausschließlich das europäische Gewissen beruhigen, nicht aber zu einer Stabilisierung der afrikanischen Märkte führen und damit Wohlstand unmöglich gemacht wird.

Komplettiert wurde die Vortragsreihe durch ein Planspiel, welches die Lage von Bauern, Regierungen, Arbeitern und Konzernen in einem südamerikanischen Entwicklungsland widerspiegelte. Anschließend wurde noch ein Debattenworkshop durchgeführt in der die JuLis die politische Debatte in unterschiedlichen Rollen und Positionen einübten. Nach diesen anstrengenden Workshops ging es dann schon in das Burgverlies, in der die JuLis ausgelassen diskutierten und feierten.

Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung, deren politischer Wert insbesondere durch die Vorträge und Diskussionen mit den Referenten aufgewertet wurde. Dank an den Bezirksverband Düsseldorf und Tim Tressel, als federführenden Veranstalter.