Erholungsgebiet ausschließlich für Wildvögel – Menschen verboten!

Erholungsgebiet ausschließlich für Wildvögel – Menschen verboten!

Die Erftlagune ist geschlossen. Das Hallenbad in Kerpen ist dicht. Die Grillhütte in Götzenkirchen ist zerstört. Gelangweilt laufen junge Bürgerinnen und Bürger durch die Straßen und jagen Pokémon. Keine Möglichkeit der Erholung am Wasser. Gerade an lauen Sommerabenden verbringt man doch gerne die Zeit mit seinen Freunden am See, genießt auch das ein oder andere Kölsch. Im Anschluss geht man nach Hause und verbrachte einen erfolgreichen Tag in der freien Natur.

Relaxen dürfen am Boisdorfer See im Naturschutzgebiet Marienfeld allerdings nur die dauerhaft brütenden Wildvögel. Es handelt sich laut Stadtverwaltung um ein Gebiet der stillen Erholung. Spazieren erlaubt, aber nur mit dem Hund an der Leine. Und sollte der Förster vorbeikommen und der Hund ist nicht angeleint, wird mit Abschuss des geliebten Haustiers gedroht. Sollte man sich rechtswidrig im Boisdorfer See abgekühlt haben und die Polizei kommt just in diesem Moment vorbei, dann muss man sich warm anziehen. Selbst, wenn man mit seiner Freundin auf einer Picknickdecke sitzt und an einem lauen Sommerabend die Polizei an den See kommt, wird dem Pärchen unterstellt, dass man doch schwimmen gegangen sei – nachfolgend ergeben sich schier endlose Diskussionen. Welcher junge Kerpener kennt diese unangenehmen Situationen mit den Ordnungshütern nicht?

Hier muss sich dringend etwas ändern! Es kann nicht sein, dass jedem rastenden Spaziergänger im Marienfeld unterstellt wird, dass er ein potentieller Schwimmer, Verschmutzer oder Wilderer sei. Freie Erholung im Naturschutzgebiet Marienfeld wird zu einer potentiellen Straftat.

Wir JuLis Kerpen setzen uns dafür ein, dass am Boisdorfer See wesentlich mehr Möglichkeiten der Erholung von Menschen, nicht nur Wildvögeln, geschaffen werden. Es ist unmöglich, dass es verboten ist, direkt am Wasser zu rasten. Natürlich muss man seinen Müll mitnehmen oder zum nächsten Abfalleimer bringen, aber dafür tragen wir Bürger alle gleichermaßen Sorge. Wir sind ferner nicht der Ansicht, dass das Naturschutzgebiet am Boisdorfer Weiher völlig abgeschafft werden soll. Wir Kerpener lieben unsere Natur und schützen diese auch. Andere Städte machen das ganz anders: Der Fühlinger See ist auch ein Naturschutzgebiet, die Stadt genehmigt allerdings jährlich ein Festival während dessen Tonnen von Müll in den See gespült werden. Das wollen wir Kerpener auch nicht. Vielmehr möchten wir, dass Mensch und Natur in Einklang am See leben und sich erholen, kein zweites Phantasialand im Rhein-Erft-Kreis.

Daher fordern wir von der Stadtverwaltung, dass die zuständigen Amtsträger nochmals an den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz erinnert werden: Spaziergänger also keinem Generalverdacht unterstellt werden. Weiterhin fordern wir von der Stadtverwaltung im Rahmen eines zunächst befristeten Pilotprojekts, dass Rastzonen am See, nahe der jetzt schon meist rechtswidrig genutzten Badebucht, eingerichtet werden. Ferner wollen wir an diesem Rastplatz Möglichkeiten anbieten, dass Müll schnell und unkompliziert entsorgt werden kann. Wir glauben, dass diese Maßnahmen zu einer Erhöhung des Wohlfühlfaktors im Marienfeld führen und die Lebensqualität deutlich erhöhen.

Glauben wir an uns und halten jedermann zu freiwilligem Naturschutz an, damit wir grandiose Natur ohne Grenzen genießen können!

Was haltet ihr von dem Thema? Schreibt es in die Kommentare!

Eine Antwort

  1. Josephine
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    Pokémon jagen ist durchaus eine tolle Freizeitbeschäftigung, die sicherlich nicht nur der Vertreibung von Langeweile dient. Hier ist die Generation 50+ auch sehr aktiv wie ich selbst beim Spaziergang durch Kerpen feststellen durfte. Auch in der Kölner Altstadt habe ich diese Altersgruppe bei Pokémon Go am Rhein beobachten können. Ich war selbst erstaunt, so habe ich mich damals zu Zeiten von Fernsehserie und Gameboy-Spielen selbst nicht zur Generation Pokémon gezählt wie etwa meinen kleinen Bruder und seine Freunde, jetzt fange ich aber auch welche. Endlich haben alle einen Grund ständig vor die Tür zu gehen und durch die Stadt zu laufen sonst ist in Kerpen ja eher weniger los obwohl es sicherlich einige Erholungs- und Freizeitmöglichkeiten gibt.

    Es könnten sicher mehr Schwimmbäder sein und wie ich zuletzt von einem Kerpener erfahren habe, wäre es wohl auch an der Zeit andere Sportstätten zu sanieren. Ich selbst bin zum Sporttreiben eher selten in Kerpen (wenn man vom Radfahren und Spazierengehen absieht). Ich finde es ist durchaus wert ebenfalls Grillhütten in Schuss zu halten. Ich habe bisher selbst keine genutzt, war aber schon auf Geburtstagsfeiern eingeladen, die in einer stattgefunden haben. Es gibt sicherlich noch einige „Baustellen“ in Kerpen.

    Erholung am Wasser findet für mich weniger in einem Spaßbad statt. Am See spazieren gehen ist für mich da schon eher Erholung am Wasser und das ist im Marienfeld möglich. Rastmöglichkeiten am Boisdorfer See sollten dennoch mehr gegeben sein. Vor allem Bänke im Schatten fehlen. Sonst bin ich eher hin- und hergerissen zwischen „ach wäre es schön wenn man hier auch schwimmen könnte und dürfte“ und „gut, dass hier so streng geahndet wird, es wäre sonst nicht so idyllisch“.

    Bei meinem letzten Spaziergang durch das Marienfeld waren drei Pärchen auf Picknickdecken am See und es war furchtbar heiß, die räkelten sich in der Sonne, wir suchten nach einer im Schatten stehenden Bank, die Bänke waren alle frei aber auch alle in der Sonne. Ich mache lieber im Schatten Rast wenn die Sonne so knallt. In den See springen muss nicht sein. Ich weiß auch nicht ob die Pärchen auf den Picknickdecken diesen zwischenzeitlich als Abkühlung genutzt haben oder nicht. Ich war aber froh, dass es nur drei waren und nicht alles zugepflastert war von Picknickdecken.

    Wenn man hier offiziell gestattet, dass man sich länger aufhalten darf dann befürchte ich, dass der Boisdorfer See bald überlaufen ist und man Ordnungswidrigkeiten schwerer kontrollieren kann, Leute laut Musik hören und die Ruhe stören, manch einer mehr auf die Idee kommt, den Grill anzuschmeißen oder doch in den See springen zu wollen, etc.!

    Wie ein möglicher Rastplatz am See aussehen soll ist hier leider nicht zu entnehmen. Ich bin wohl für ein paar mehr Bänke (im Schatten, inkl. Mülleimer), ggf. den ein oder anderen Picknicktisch und die Erlaubnis, sich auch längere Zeit aufhalten zu dürfen. Mehr ist nicht notwendig.

    Dass es dann auch mal Ärger geben kann wenn man sich (vermeintlich) nicht an Regeln hält ist in Ordnung. Wenn man bei Zurechtweisung durch „Ordnungshüter“ höflich bleibt wird der Ärger wohl auch nicht all zu groß selbst wenn man (tatsächlich) mal was falsch gemacht hat. Ich denke der Jäger droht eher nicht damit den Hund bewusst abzuschießen wenn er frei herum läuft aber er könnte ihn evtl. für Wild (ich hab gelesen hier gibt es sehr viele Wildschweine) halten. Den Jäger gibt es wohl auch um den Wildbestand zu regulieren.

    Mit frei herumlaufenden Hunden habe ich im Marienfeld aber auch schon als Radfahrer negative Erfahrung gemacht. Da ist mir einer hinterher gelaufen, der dachte sich wohl mein strampelndes Bein sei für ihn zur Jagd freigegeben. Ich wusste nicht recht was ich tun soll. Ich meine ich hätte aufgehört zu strampeln, ist nochmal gut gegangen und auch schon einige Zeit her. Wenn Hundehalter ihre Hunde auf Seite nehmen wenn ich mit dem Rad vorbei komme rufe ich übrigens immer „Danke“ zu, obwohl es selbstverständlich sein sollte den Hund festzuhalten – genauso wie ich „Danke“ rufe wenn ich klingle und Spaziergänger mich vorbei lassen. Ich bin gerne höflich. 😀

    Diesem Artikel kann man weitere Bedenken gegen freilaufende Hunde entnehmen: http://www.ksta.de/region/rhein-erft/kerpen/boisdorfer-see-und-marienfeld-was-stoert–sind-mensch-und-hund-22789822

    Natürlich ist es schön wenn man Hunde auch mal von der Leine lassen kann und ich mag hier keine Grundsatzdiskussion über Hunde anfangen. Ich freu mich auch wenn Hund sich freut und Stöckchen holt.