Verbietet die „Killerspiele“ – Ein offener Brief an unseren Bundesinnenminister

Verbietet die „Killerspiele“ – Ein offener Brief an unseren Bundesinnenminister

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Sehr geehrter Herr Bundesinnenminister,

In einem Fernsehinterview sagten Sie kürzlich, dass eine Verbindung zwischen dem schrecklichen Attentat in München und „Killerspielen“ nicht ausgeschlossen werden kann. Der Täter habe schließlich auch Counter-Strike gespielt – „Killerspiele“ seien die Eintrittspforte zu schrecklichen Gewalttaten, wie den Amokläufen von Erfurt, Winneden oder jetzt auch München. Nur so kann ein objektiver Zuschauer Ihre Aussagen verstehen.

Leider haben Sie keine Ahnung von den von Ihnen bezeichneten „Killerspielen“. Sie selbst haben nie ein Computerspiel gespielt und sind auch nicht mit einem PC oder einer Spielekonsole aufgewachsen. Für Ihre Parteikollegin und unsere Bundeskanzlerin ist das Internet „Neuland“. Sie verstehen weder die Entwicklung des Internets und noch weniger die Anliegen der digitalen Generation, welche mit dem PC, Tablet oder Smartphone aufgewachsen sind. Stattdessen werfen Sie alle Gamer in einen Topf. Es handele sich hier um potentielle Amokläufer, schlafende Kriminelle und Gewalttäter, die in ihrer Freizeit von der Gesellschaft verachtete Gewaltphantasien ausleben. Dabei geht es in den genannten Spielen, welche im Fachterminus als „First-Person-Shooter“ bezeichnet werden, meist gar nicht um Mord und Totschlag ziviler Personen. Gerade bei Counter-Strike geht es um Teamplay, gegenseitige Absprachen und dem spielerisch messbaren Konflikt zwischen zwei Mannschaften. Eine Vielzahl der eSportler zeigen eine größere Fairness als beim Fußball und aufgrund der Internationalität der Spiele bedarf es auch keiner Anti-Rassismus-Kampagne eines Dachverbands. Bei Counter-Strike handelt es sich eher um die moderne Variante des bestimmt auch von Ihnen in der Kindheit gespielten „Räuber und Gendarme“. Und glauben Sie mir, selbst wenn viele „Kills“ und „Abschüsse“ zu verzeichnen sind, so kommt es durchaus häufig vor, dass der „Oberkiller“ gemeinsam mit seinem Team verliert.

Plakativ und populistisch versuchen Sie, mangelhafte Polizeiarbeit unter dem Deckmantel der durch Sie verachteten „Killerspiele“ zu verstecken. Offensichtlich haben Sie und Ihre Amtskollegen in den Ländern im Bereich der Polizeiarbeit versagt. Sie haben kein richtiges Konzept zur Durchsuchung des Darknets (Kurze Erklärung für Sie: Das ist der Teil im Internet, der nicht durch Vorratsdatenspeicherung überwacht werden kann. Hier bezahlt man meist mit einer anderen Währung, dem Bitcoin, und kann sich auf den dort ansässigen Handelsplattformen nicht handelbare Sachen kaufen). Das Darknet kann von jedem, der im Internet (Pro-Tipp: www.google.de) nach einer Eintrittspforte sucht, besucht werden. Die Polizei kennt nur die einschlägigen Handelsplattformen im Internet, wie eBay, Amazon und wenn mal ein Beamter ganz engagiert ist: Kalaydo.

Wir geben Ihnen einen entscheidenden Tipp: Sie sind in der Position wirklich etwas in der BRD zu verändern. Sie sind Bundesinnenminister und können durch Ihr Initiativrecht in der Bundesregierung und bei den Treffen aller Innenminister der Länder legislativ etwas bewegen. Stützen Sie sich nicht auf populistisch-aktionistische Themen, sondern nehmen Sie Geld in die Hand, damit Hehlerbanden und Straftäter im Darknet ausfindig gemacht werden können. Waffenhändlerringe im Internet kann man sicherlich auch mit verdeckten Ermittlern effektiv ausheben. Halten Sie doch auch die Kultusminister der Länder dazu an, dass in den Schulen und Jugendverbänden eine weitere Sensibilisierung im Bezug auf digitale Medien vermittelt wird. Allerdings nicht durch unwissendes Personal, sondern durch echte Experten. Setzen Sie sich für mehr Schulsozialarbeiter ein, damit auch psychische Erkrankten schneller geholfen werden kann. Arbeiten Sie gegen die Stigmatisierung eines psychisch Erkrankten als „Irren“ und brechen Sie das gesellschaftliche Tabuthema der manischen Depression. Bewegen Sie etwas, damit Sie nicht in die Geschichte der Bundesrepublik eingehen, als der Politiker, der nur für einen Satz nach dem möglichen Anschlag in Hannover bekannt ist.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre JuLis Kerpen